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Der CIO muss zum Chief Disruption Officer werden

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Als vor rund 100 Jahren in Hollywood der Tonfilm aufkam, stieß er zunächst oft auf Skepsis: Kritiker warnten, die Dialoge, aufgenommen mit noch primitiver Tontechnik, würden den Zauber der bewegten Bilder zerstören. Schauspieler – insbesondere jene mit ungeübter Sprechstimme oder fremdländischem Akzent – fürchteten um ihre Karrieren, Klavierspieler und Orchestermusiker im Kinosaal um ihre Jobs als Begleiter des lautlosen Flimmerns.

Eine solche Reaktion findet man bei grundlegenden – oder „disruptiven“ – Veränderungen immer wieder: Menschen fürchten um Vertrautes und unterschätzen das langfristige Potenzial der Innovation. Das Neue steht unverstanden im Raum, im Licht der aufziehenden neuen Ära wirft es lange, bedrohliche Schatten. Die ersten Automobile wirkten im Vergleich zur Pferdekutsche laut und gefährlich, und der ersten Eisenbahn prophezeiten Skeptiker, das enorme Tempo werde den Geisteszustand der Passagiere schädigen.

Nicht minder Bahnbrechendes rollt gerade auf die Rechenzentren zu: künstliche Intelligenz. KI-gestützte Systeme sind dabei, den IT-Betrieb zu revolutionieren. Denn sie erkennen Zusammenhänge, die der IT-Abteilung entgehen – wichtig etwa für das Incident-, Performance-, Capacity- oder Security-Management. Und sie erlauben es, schnell, frühzeitig und vor allem automatisiert zu reagieren, um den hochverfügbaren Betrieb aufrechtzuerhalten – Grundlage für erfolgreiche Digitalisierung.

Auch dieser Innovationssprung stößt auf typische Vorbehalte: Skeptiker malen ein Szenario an die Wand, in dem die KI den Menschen das Ruder aus der Hand nimmt, wie man das aus düsteren Science-Fiction-Filmen kennt. Und manche IT-Fachkräfte bangen um ihre Jobs im bislang oft noch erstaunlich manuellen IT-Betrieb.

Mit der Einführung von KI-Systemen muss sich daher auch der CIO weiterentwickeln: zum „Chief Disruption Officer“, zum Manager eines radikalen Umbruchs. Das bedeutet zunächst, dem Fachpersonal Art und Ausmaß der Innovation aufzuzeigen: Es gilt, aufzuklären über Machbares und dessen Grenzen ebenso wie über Risiken und Potenziale, über die konkreten Auswirkungen auf den Alltag des IT-Teams. Vor allem heißt es: im Wandel Perspektiven aufzuzeigen für die Weiterentwicklung einzelner Mitarbeiter.

Ein Beispiel: Intelligente Storage-Systeme von HPE nutzen die Software HPE InfoSight für Machine-

HPE_ElementBurst_3000px-.jpgHPE Primera ist ein intelligenter Storage für geschäftskritische Anwendungen, der extreme Ausfallsicherheit und Leistung und die Agilität der Cloud bietet

Learning-und KI-gestütze Analysen, um aus den Performance-Daten zehntausender Storage-Installationen von HPE Nimble-, HPE 3PAR- und HPE Primera Systemen weltweit die optimalen Betriebsparameter zu ermitteln. Über APIs erfasst InfoSight Telemetriedaten über den gesamten Stack hinweg, von den Servern bis zu den virtuellen Machinen oder Containern. Die Software lernt selbsttätig, wie der Normalbetrieb aussieht – und zwar für jede Workload in jeder Umgebung. Damit kann sie nicht nur vorausschauende Warnungen ausgeben, wenn sich eine Abweichung vom Sollzustand abzeichnet: HPEs Intelligent Storage gibt der IT eine Empfehlungs-Engine an die Hand, um den IT-Betrieb zu optimieren – und letztlich sogar zu automatisieren.

Durch Intelligent Storage fallen also Jobs etwa für Service-Techniker weg – zugleich aber entstehen vielfältige neue Aufgabenbereiche, denn das Unternehmen wird durch die KI-gestützte IT innovativer und schlagkräftiger. Das Weltwirtschaftsforum geht in der Studie „The Future of Jobs 2018“ davon aus, dass durch Fortschritte bei Robotik und Algorithmen bis 2022 zwar 75 Millionen Arbeitsplätze wegfallen, zugleich aber 133 Millionen neue entstehen – und dies werden vor allem höherwertigere, anspruchsvollere sein. Die Studie „Digitale Transformation 2018“ – eine Umfrage von etventure und der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) unter 2.000 größeren Unternehmen in Deutschland – wiederum ergab, dass über 80 Prozent der Unternehmen stabile bis positive Arbeitsplatzeffekte erwarten. Jedes vierte (26 Prozent) rechnet mit der Schaffung zusätzlicher Stellen.

Innovationssprünge haben in der Menschheitsgeschichte stets erst für viele bedrohlich gewirkt, dann aber ganz neue Betätigungsfelder und Berufsgruppen geschaffen. Film-, Automobil- und Reisebranche sind nur einige Beispiele, die IT-Industrie wird das nächste sein. Nun ist der CIO gefordert, im Zusammenspiel mit der HR-Abteilung seines Unternehmens Perspektiven aufzuzeigen, Fortbildungsinitiativen zu starten und als strategischer Partner aufzutreten – nicht nur für das Business, sondern auch gegenüber der eigenen IT-Belegschaft. Der CIO muss beides beherrschen: Sein Unternehmen von der digitalen Stummfilm- in die Tonfilm-Ära bringen und dem Klavierspieler den Weg aus den dunklen Kinosaal weisen, hinaus ans Licht.


0.jpgÜBER DEN AUTOR

Joachim Berger ist Sales Director DACH bei Hewlett Packard Enterprise mit Fokus auf den Produktbereich Nimble Storage.

 

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