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Maßgefertigt oder was die Cloud mit Schuhen zu tun hat - ein Interview mit Bernard Golden

stefan_may

Von Tim Clayton, Marketing Business Services. 
Der Beitrag ist ursprünglich bei Grounded in the Cloud erschienen.

Im zweiten Teil meiner Reise in die Cloud hatte ich das Glück mit Bernard Golden zu sprechen, CEO von Navica, einem Beratungsunternehmen das Firmen hilft die richtige Cloud-Lösung für ihre Bedürfnisse zu finden. Was ich von ihm benötige ist ein bisschen weniger anspruchsvoll, von Bernard, dem Autor von "Virtualization For Dummies", möchte ich (ein Dummie) mehr über die Cloud erfahren. Allerdings schweifen wir ab während ich lerne was es ist was die Cloud so attraktiv für Unternehmen macht und wie sie sich auswirkt - und es geht auch um Schuhe.

Lasst uns mit den 3 Ratschlägen anfangen die Bernard auch den frischesten Cloud-Neulingen gibt:

1. Verstehen. Das Dokument "The NIST Definition of Cloud Computing" hilft dabei.

2. Weiterbilden. Es gibt kostenlose Tutorials und online Diskussionen - und wer nicht fragt...

3. Experimentieren. Es hat nicht viel Sinn gleich voll einzusteigen, wenn man sich nicht sicher ist. Es gibt zahlreiche, gestufte Einstiegsmöglichkeiten bei den großen Anbietern um herauszufinden was für das eigene Unternehmen passt. Kleine Betriebe mit ein wenig Technikerfahrung können auch ohne Hilfe von Experten SaaS/Modelle ausprobieren.

Es ist alles wirklich so einfach obwohl es vielleicht etwas zu vereinfacht klingt. Man muss aber nicht die gesamte Bandbreite der unterschiedlichsten Lösungen und Möglichkeiten auf dem Markt aufzeigen - oft ist eine geeignete Definition besser auf deren Basis die Leute sich damit beschäftigen und dann selbst probieren um zu sehen wie es passt.

Und jetzt geht es um Schuhe:

shoes.jpgIch bin in Northhampton geboren und aufgewachsen, im Herzen Englands. Die Stadt ist für seine Schuhindustrie weltberühmt, wir haben sogar ein Schuhmuseum in dem Elton Johns Plattformstiefel aus dem Film "Tommy" ausgestellt sind, es gibt eine der Schumacherzunft gewidmete Website und unser Fußballklub ist als die "Cobbler" ("Schuster") bekannt.

Obwohl etwas im Niedergang in den letzten Jahren gibt es doch noch über 25 Hersteller welche diese 900jährige Tradition am Leben halten.

 

Aber warum Northhampton? Weil das Vorhandensein an Eichenrinde und Wasser für das Gerben zusammen mit dem Angebot an Leder von den lokalen Viehmärkten Northhamptonshire den perfekten Ort machten für das Gedeihen des Schuhmacherhandwerks.

Warum aber in aller Welt rede ich darüber? Eine sehr gute Frage! Es stellte sich heraus, dass auch Bernard, ein Amerikaner vom Silicon Valley, eine Beziehung zu dieser oft übersehenen Stadt in Mittelengland hat, nicht wie ich durch Geburt, sondern durch Heirat. Dieser verblüffende Zufall führte uns zu interessanten Blickwinkeln auf unser Thema:

Warum zum Beispiel werden so viele Technologiefirmen vom Silicon Valley angezogen und kann man sagen, dass Seattle, nicht Kalifornien das echte Drehkreuz für das Cloud Computing ist?

„Dem war nicht immer so, Silicon Valley war vorher eine landwirtschaftliche Region. Das hat sich auch nicht über Nacht geändert indem sich plötzlich tausende von Tech-Firmen ansiedelten, sondern war ein Prozess. Genau wie in der Schuhindustrie: am Anfang gab es wohl einen Schuhmacher in Northhampton, dann hat ein lokaler Schlosser seine Chance gesehen und Ösen und Schnallen geliefert. Leder und Stoffhersteller haben ihre Tätigkeiten angepasst.

Deshalb bestand nun eine Infrastruktur die andere Schuster angezogen hat, weil die Stadt nun ein gutes Angebot an den benötigten Rohmaterialien hatte. Ein bisschen Zeit vergeht und es gibt eine riesige Industrie mit großen und kleinen Mitspielern. Silicon Valley ist genauso gewachsen. 

Seattle ist das Herz der Cloud-Welt. Microsoft und Amazon haben ihren Sitz hier, genau wie der Großteil des HPE Cloud Teams. Unternehmen wollten am Geschäft teilhaben und sahen, dass sich die besten Leute in einer Gegend konzentrierten und wohl nicht in das Silicon Valley ziehen werden um dort horrende Mieten zu bezahlen. Das Wissen, Können und Infrastruktur wuchs oft um die ersten Schlüsselakteure.“

buildings.jpgDie Cloud Industrie mag also keine Fabriken haben, aber sie folgt denselben Gesetzen von Angebot und Nachfrage. Bernard sieht auch das Silicon Valley von heute im Lichte der Innovationen  Großbritanniens im 19. Jahrhundert: die Regeln der Industriellen Revolution gelten auch für Fortschritt in der IT. „Silicon Valley ist der Dreh- und Angelpunkt für ambitionierte Techies.

Es gibt eine Menge gärende Innovation und eine beschleunigte Evolution für Produkte und Ideen. Natürlich scheitern auch Firmen und es wird genauso vom selben Risikokapital beherrscht wie alle anderen Branchen. Von zehn Ideen ist eine und vielleicht eine zweite der große Wurf, vier oder fünf trudeln unspektakulär umher und der Rest verpufft.  

Was ist mit Cloud Innovationen? Ich habe so viel Gutes gehört, es scheint keine Horrorgeschichten zu geben…

Bernard beschreibt ein paar brillante Ideen und ein paar groteske - etwa so sinnvoll wie zu versuchen die ein Meter hohe Dr. Martens Stiefel von Elton John auf dem Massenmarkt anzubieten - wie einen Uber-artigen Service für Hausangestellte mit dem jemand 30 Millionen Dollar vergeudete ohne darüber nachzudenken, dass das Bedürfnis für eine Mitfahrgelegenheit und das für einen Reinigungsdienst doch sehr verschieden sind.

Manchmal kostet es eben 30 Millionen um herauszufinden, dass eine Idee nicht funktioniert. Der Erfolg jedoch kann so durchschlagend sein, dass es sich lohnt Risiken einzugehen: immerhin erinnert sich niemand mehr an Thomas Edisons Obsession mit aus einem Guss gefertigten Betonhäusern, aus vorgefertigten Formen die sogar Bilderrahmen und Türstopper enthielten.

„Ich bin mir sicher, dass viele Firmen noch denken die Cloud ist nichts für sie, aber sie dann herausfinden, dass es doch so ist," sagt Bernard. „Natürlich gibt es Horrorgeschichten mit der Cloud, aber ich schätze mal, dass 90% der Unternehmen die ihre gesamten oder auch nur Teile ihrer Dienste migrieren, herausfinden wieviel billiger, schneller und einfacher sie diese erledigen können. Und es muss ja auch nicht gleich ein großer Sprung sein, sondern Teile des Geschäfts können Schritt für Schritt übertragen werden.“

Das heißt also, dass ohne die Cloud das Geschäft teurer, langsamer und schwieriger ist?

„Die N.I.S.T. Definition beginnt mit einer Beschreibung der Cloud als Selbstbedienung, dann fällt der Begriff Elastizität, was ja die Fähigkeit bedeutet den Einsatz von Ressourcen flexibel zu gestalten,“ erklärt Bernard. „Wenn du die Cloud nutzt, kannst du mehr bereitstellen, auf Trends reagieren und auf sprunghafte Auslastung.“

Das heißt unser freundlicher lokaler Schuster kann neue Produkte schneller entwickeln und produzieren, wie auch auf Modetrends und veränderte Rahmenbedingungen reagieren. In einem besonders feuchten Sommer wird er kein Überangebot an Sandalen haben (die in Britischer Manier natürlich mit Socken getragen werden) weil er sich schneller auf die sich ändernde Nachfrage einstellen kann.

Natürlich heißt das nicht, dass die traditionelle Industrie nun nicht mehr erfolgreich sein kann, allerdings aber, dass die Cloud bereits anfängt Geschäftsmodelle zu verändern. „Es ist wie mit den Schuhen. Du könntest die immer noch in hoher Qualität herstellen, aber gerietest ins Hintertreffen wenn du immer noch in Handarbeit nähst und dein Konkurrent hat soeben eine Nähmaschine erfunden“ so Bernard.

Meiner Meinung nach könnte es durchaus noch Firmen geben die Schuhe in Handarbeit herstellen, aber eben als Nischenprodukte, nicht als Massenware. Ich denke daher, dass die Cloud einen fundamentalen Wandel in der IT-Welt bedeutet. Das lässt sich vielleicht eher mit Jethro Tulls Sämaschine vom Anfang des 18. Jahrhunderts vergleichen, als in der Schuh-Analogie zu denken. Welcher Landwirt würde sich dafür entscheiden drei Scheffel Saatgut auf dem Acker zu verteilen, wenn eine neue Erfindung dreimal weniger davon verbraucht, bei vierfachem Ertrag?

grain.jpgKönnen Unternehmen den die Wirkung der Cloud genauso messen wie der Landwirt sein Getreide wiegen kann?

Firmen können Cloud-Dienste nach Bedarf zu bezahlen was eine Neuerung darstellt die ihnen erlaubt Kosten und Nutzen genau gegenüberzustellen.

Das eigentliche Problem, so Bernard, besteht darin, dass viele Unternehmen keinen wirklichen Überblick über ihre Gesamtkosten haben. Was ist mit den Mitarbeitern? Der Infrastruktur? Hardware? Wie können Unternehmen eigentlich eingesparte Zeit und Produktivität messen?

Mit solchen spannenden Fragen werde ich mich in weiteren Beiträgen beschäftigen, fürs erste sei auf den Report verwiesen „The Transformative Impact of the Cloud“. Es scheint aber den überwältigenden Eindruck zu geben, die Cloud spare Geld und ist wirtschaftlich, weshalb mehr und mehr etablierte Betriebe einsteigen.

Am Ende sind es eben doch die Marktbedingungen welche die besten Geschäftsentscheidungen gebieten: wenn die richtige Eichenrinde, Leder und Wasser für das Gerben zur Verfügung stehen, welche andere Möglichkeit gibt es als Schuhe zu schustern?

 

Über den Autor

Tim_Clayton.jpgTimothy Clayton ist Copywriter für HPE Creative Services. Er sorgt dafür, dass große Unternehmen die Sprache von KMU sprechen. Tim lebt und arbeitet in Breslau, Polen. Folgen Sie Ihm auf Twitter.

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